Geschichte

Geschichte

Inmitten der Weinberge gelegen, war die Grotte der einheimischen Bevölkerung schon seit langem bekannt. Im Jahre 1943 soll als Erster der berühmte Höhlenforscher Jean-Jacques Pittard, in Begleitung von Jacques Della Santa, die Höhle erforscht haben.

Im Jahre 1949 wurde der unterirdische See dank der Unternehmungslust von zwei jungen Leuten aus Saint-Léonard, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seitdem wurde die Infrastruktur immer mehr verbessert, um den Besuch mit grösster Bequemlichkeit und Sicherheit zu erlauben.

Der unterirdische See von St-Leonard ist ein Erlebnis, dass Sie nicht vergessen werden.

le lac souterain de St LÈonard en fin 2016
(PHOTO-GENIC.CH/ OLIVIER MAIRE)

GEOLOGIE

Der unterirdische See von St-Léonard ist durch die Überlagerung geologischer Phänomene entstanden: die tektonischen Platten, die Hydrologie und die geografischen Gegebenheiten. Der See hat sich in mehreren Schritten gebildet und dieser Prozess ist immer noch nicht abgeschlossen.

Alles begann mit dem Auftauchen der drei Gesteinsarten, die um den See herum noch heute zu finden sind. Die Nordfelswand besteht aus Kohleschiefer, ein Gestein aus dem Kohlezeitalter (mehr als 300 Millionen Jahre alt). Die Südwand ist aus Marmor geformt, dem berühmten „Stein aus St-Léonard“. Da diese beiden Gesteinsarten wasserundurchlässig sind, sorgen sie dafür, dass das Wasser seitlich nicht entweichen kann und im Inneren der Höhle bleibt. In der Mitte befindet sich Gipsstein, ein sedimentäres, poröses und wasserlösliches Gestein. Der Gips ist vor 220 Millionen Jahren in Erscheinung getreten als das Wallis noch ein großer Ozean war, und hat sich während der Entstehung der Alpen zwischen den Marmor und den Kohleschiefer geschoben.

 

Es dauerte mehrere Hundertmillionen Jahre bis die Felsen ihre derzeitige Position einnahmen. Die Aushöhlung fand hingegen in einem kürzeren Zeitraum statt und ist erst einige tausend Jahre her. Sie erfolgt durch den Einfluss des Wassers auf das Gipsgestein. Es gibt eine Hypothese, die besagt, dass der erosive Prozess erst in der nacheiszeitlichen Periode begonnen habe, das heißt vor 12 000 Jahren. Zahlreiche Risse, die durch die häufigen Erdbeben in der Region entstehen und die geografische Lage des Sees am Fuß und Hang des Berges, ermöglichen, dass das rinnende Wasser in den durchlässigen Gips eindringt. Dieses Wasser fließt den Hang hinunter und dringt in die Erde ein. Durch die Auflösung des Gipses entstehen unterirdische Kanäle. Mit der Zeit vergrößern sich diese Kanäle und bilden kleine Brunnen, die das Wasser bewahren und noch tiefer führen. Dann ruft es die „Desquamation“ (Abschuppung) hervor. Der mit Wasser gefüllte Gips bläht sich auf, bewirkt somit seine Ablösung und landet auf dem Grund der sich bildenden Höhle. Dieser Prozess hat zur Entstehung des unterirdischen Sees von St-Léonard geführt, der immer noch weiterwächst.

HYDROLOGIE

Das Wasser im unterirdischen See von St-Léonard stammt aus verschiedenen Quellen. Da der See sich 30 bis 70 Meter unter den Weinbergen von St-Léonard befindet und bewässert wird, dringt ein wenig von dem Wasser durch den Gips in den See ein. Dieses Wasser macht jedoch nur einen sehr geringen Anteil aus, den weitaus höheren Anteil nehmen Regenwasser und Schmelzwasser ein. Beides fließt den Hang des Berges hinunter und beginnt den Prozess der Infiltration, wenn es auf den Gips stößt. Es soll auch unterirdische Quellen geben, die das Wasser direkt in den See bringen. Diese Quellen sind vor allem am Anfang des Jahres beim Schmelzen des Höhenschnees aktiv.

Alle diese Gewässer durchlaufen den See und versickern dann im Grundwasser der Rhôneebene. Dies geschieht durch Risse, die sich vor allem im Einstiegsbereichs befinden.

le lac souterain de St LÈonard en fin 2016
(PHOTO-GENIC.CH/ OLIVIER MAIRE)